Sonnenblumenwiese
01/2024 - Post

Im Gespräch über unternehmerische Natur- und Artenschutzmaßnahmen mit Armin Halfar

Armin, dein Unternehmen Halfar und euer gesamtes Sortiment an Taschen sind seit 2022 nicht nur klimaneutral, das Unternehmen setzt sich auch auf anderem Wege stark für Nachhaltigkeit und Umwelt ein.Welche Maßnahmen werden bei euch konkret umgesetzt?

Armin Halfar: Anfang der 2000er haben wir mit der Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Firmendach damit begonnen, unsere Gebäude und Produktion ökologisch sinnvoll zu bewirtschaften. Das fing  bei uns bei den Klassikern wie fachgerechtem Recycling, Strom-und Wasserreduzierung und papierlosen Arbeitsprozessen an und geht bis zu der Entwicklung von E-Mobilität für unseren Hauptstandort und einer Verringerung von Transportwegen.

In Kooperation mit „Insect Respect“ haben wir 2019 unser ca. 450m2 großes Firmendach artengerecht und im Sinne des Insektenschutzes begrünt. Dabei haben wir speziell darauf geachtet, dass unser Dach durch unterschiedliche Substrattypen und Schichthöhen den idealen Lebensraum für viele unterschiedliche Pflanzen- und damit Insektenarten darstellt. Und auch die restlichen Grünanlagen auf unserem Gelände sind nach und nach insektenfreundlich neu angelegt worden. Das erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Biologen Dr. Phillip Unterweger, von dem ich viel gelernt habe.

Aber auch außerhalb unseres Firmengeländes setzen wir uns auf unterschiedliche Weise für die regionale Natur ein, wie mit einer Baumpatenschaft in dem Projekt „Unser Baum für Bielefeld“, einer Gehegepatenschaft für Soay-Schafe im lokalen Tierpark Olderdissen.

Woher kommt dein persönliches Interesse für Natur und Biodiversität?

Armin Halfar: Mein ehemaliger Bio-LK Lehrer hat während der Schulzeit mein Herz für die Biologie geöffnet. Das Interesse ist dann ein paar Jahre verschütt gegangen und zufällig wieder entfacht, als ich bei einer Preisverleihung 2017 die Rede von Dr. Hans Dietrich Reckhaus über das erhebliche Insektensterben der vergangenen Jahrzehnte gehört habe. Durch anschließende Gespräche mit ihm wurde mein Blick auf Biodiversität und speziell auch Insekten gerichtet.

Dabei habe ich gemerkt, dass in der Betrachtung von Natur und Klima ein Unterschied besteht: Das Klima ist in aller Munde, die Biodiversität ist es (noch) nicht. Das Klima steht als schwierige Aufgabe direkt vor uns, aber dahinter steht die Biodiversität als noch viel größeres Thema. Denn was ist die Rettung des Klimas bei Verlust der Biodiversität? Nichts, damit haben wir nichts gewonnen. Also müssen wir beides denken, wir können uns nicht ein Stückchen aus der Nachhaltigkeitstorte herausschneiden. Seitdem ich mir dessen bewusst bin treibe ich das Thema mit voller Überzeugung voran.

"Was ist die Rettung des Klimas bei Verlust der Biodiversität? Nichts, damit haben wir nichts gewonnen."

Man könnte dich gut als eine Art regionalen Botschafter für den Natur- und Umweltschutz bezeichnen. Welche Wege gehst du dabei speziell, um die Aufmerksamkeit auf Biodiversität zu lenken?

Armin Halfar: Sehr gerne zeige ich Interessierten die umgestalteten Flächen bei uns auf dem Gelände. Dadurch, dass wir verschiedene Lagen wie Halbschatten, Schatten, Sonnenlage und extensive Dachbegrünung haben, ist beispielsweise jede Fläche etwas anders und den jeweiligen Bedingungen angepasst strukturiert. Dazu lässt sich eine Menge erzählen.

Gerne bringe ich das Thema aber auch bei passenden Gelegenheiten vor anderen Unternehmen vor, wie beispielsweise letztes Jahr auf der Green Innovation Week in Bielefeld, bei der Trutz und ich gemeinsam die Veranstaltung eröffnet haben. Dabei spreche ich insbesondere mit den Unternehmerinnen und Unternehmern, denn es gibt eben viele Firmen, die wie wir auch große Flächen haben und sich gerne für die Biodiversität engagieren würden.

Welche Tipps gibst du den Unternehmerinnen und Unternehmern dann?

Armin Halfar: Auf jeden Fall rate ich immer dazu, sich die Flächen mit fähigen Gärtnerinnen und Gärtnern anzuschauen und die Flächen so zu planen und umzubauen, dass hochwertiger Lebensraum geschaffen werden kann. Und ich versuche auch immer wieder aufzuzeigen, dass diese Flächenumgestaltung natürlich auch ein Lernprozess ist. Wir haben uns beispielsweise auch von Fläche zu Fläche verbessert und erzielen durch das Wissen der letzten Jahre insgesamt immer bessere Ergebnisse.  

Wichtig ist aber eben auch zu sagen, dass sich nicht nur Unternehmen engagieren können, die über eigene Außen- und Grünflächen verfügen. Deswegen finde ich das Konzept von green account auch so spannend, da es Naturschutz und Biodiversität für Jeden lokal möglich macht.

Welches Feedback erhaltet ihr von euren Mitarbeitenden? Spielt der Einsatz für die Natur eine Rolle für sie?

Armin Halfar: Wir merken definitiv, dass unsere Maßnahmen zum Naturschutz auch eine Wirkung auf die Belegschaft haben. Im Sommer zeigen mir Mitarbeitende beispielsweise Montags Fotos von Käfern oder Schmetterlingen, die sie am Wochenende in ihrem Garten entdeckt haben. Oder sie berichten davon, wenn sie in ihren Gärten Dinge umsetzen, die wir auf dem Firmengelände im Großen gebaut oder gepflanzt haben. Diese Dinge sind genau das, worum es mir geht: Verständnis zu schaffen, das Thema voranzubringen und den Blick für die Natur schärfen.

Experte
Bild von Experte Armin Halfar mit dunkelgrünen Hintergrund
Armin Halfar
Geschäftsführender Gesellschafter Halfar System GmbH; Initiator "Bielefelder runder Tisch für die Artenvielfalt"
Themen
Biodiversität
Insektenschutz
Artenschutz
Flächenbegrünung